Start Baugeschichte Alfred Fischer

Der Architekt Alfred Fischer

Geboren am 29.08.1881 in Stuttgart, studierte Fischer von 1900 bis 1904 Architektur an der Akademie der Bildenden Künste und der Technischen Hochschule in Stuttgart bei Theodor Fischer. Anschließend arbeitete er in verschiedenen Architekturbüros in Berlin bei Ludwig Hoffmann und in Saaleck bei Paul Schultze-Naumburg. 1908 legte er die höhere Staatsprüfung ab und wurde zum Regierungsbaumeister ernannt. Von 1909 bis 1911 war er Lehrer an der Architektur-Abteilung der Kunstgewerbe-Schule in Düsseldorf. In dieser Zeit nahm er erfolgreich an verschiedenen Architekturwettbewerben teil und erhielt u. a. für das Bismarck-Nationaldenkmal in Bingen 1910 den Zweiten Preis.

Auf Empfehlung von Hermann Muthesius wurde Fischer am 01. Oktober 1911 Direktor der neu gegründeten Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Essen, die 1928 in die Folkwangschule für Gestaltung überging.

Jedoch war er weiterhin als Architekt tätig und baute verschiedene Industriegebäude im Ruhrgebiet und im Rheinland, u. a. Übertagebauten und Werkssiedlung der Zeche Sachsen in Hamm-Heeßen (1912), Pumpwerk der Emschergenossenschaft bei Duisburg (1912-14), Zechenanlage Schacht Emil in Essen (1912-13), Petrokoksbunker für die Rheinische Elektrodenfabrik in Köln-Knapsack (1917). Zwischen 1915 und 1920 plante und baute Fischer die Werkssiedlung für die Hausfeldschen Steinkohlenwerke der Zeche Sachsen in Essen-Kettwig. Auch an der Werkbund-Ausstellung 1914 in Köln nahm er teil.

Mit der Errichtung des Kohlenwäschekomplexes der Zeche Sachsen in Hamm 1922 gelang ihm ein modernes Gebäude, an dem er die technischen Funktionszwänge bewusst als Gestaltungsmittel einsetzte und nicht nur das neue Material Stahlbeton sichtbar ließ, sondern auch das Stützensystem des Gebäudes zur Vertikalgliederung ausnutzte.

In den zwanziger Jahren führte Fischer eine Reihe von bedeutenden Bauwerken im Ruhrbiet aus, u. a.: Volkshaus in (Gelsenkirchen-)Rotthausen (1920), Katholische Kirche in Ickern (1922/1925), Verwaltungsgebäude der Emschergenossenschaft in Dortmund (1923) und des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk (später KVR, heute RVR) in Essen (1929), die Übertageanlagen der Zechen Königsborn in Unna (1923), Dorstfeld in Dortmund (1926) und Recklinghausen-Süd (1927), das Lyzeum in Essen-Bredeney (1929/30) und das Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen (1927). Daneben errichtete er zahlreiche Wohnhäuser, insbesondere in Essen. Für seinen Entwurf des Völkerbundpalastes in Genf erhielt er den 2. Preis, den 1. Preis erhielt Le Corbusier.

1921 war Fischer zum Professor ernannt worden und 1929 erhielt er die Ehrendoktorwürde der TH Hannover. Bis 1931 war Alfred Fischer Vorsitzender der Nordwestdeutschen Arbeitsgemeinschaft des Deutschen Werkbundes.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Fischer zum 01. April 1933 beurlaubt, 1934 seine vorzeitige Pensionierung ausgesprochen. Er zog nach Murnau in Bayern, wo er sich sein eigenes Wohnhaus (1935) errichtete. Sein letzter realisierter Entwurf entstand 1949 für das Haus des Schreinermeisters Ried im Nachbarort Hagen. Seine Erfahrung und das Konzept einer Gestaltungslehre legte er darüber hinaus in seinem Buch  "Wohnhausform, Weg zur Gestaltung" nieder, das 1950 erschien. Er starb am 10.04.1950 in Murnau. Seine Urne wurde zunächst im Garten seines Wohnhauses bestattet, 1951 - nach dem Tode seiner Frau und dem Verkauf des Hauses -  auf den örtlichen Friedhof umgebettet.

Wir bedanken uns für die freundliche Unterstützung bei der Beschaffung von Informationen bei Frau Dr. Marion Hruschka und dem Stadtarchiv Murnau.

Alfred Fischer im Gespräch mit Max Burchartz  (ca. 1927). Foto aus: Das Diktat der klaren Linien (1995).
Alfred Fischer (links) im Gespräch mit Max Burchartz (ca. 1927)
 
Arbeiterdoppelhaus der Zeche Sachsen in Hamm. Quelle: Architektonische Rundschau 30/1914.
Arbeiterdoppelhaus der Zeche Sachsen in Hamm
 
Volkshaus in Gelsenkirchen-Rotthausen, 1920
Volkshaus in Gelsenkirchen-Rotthausen, 1920
 
Verwaltungsgebäude des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk
                  (später KVR, jetzt RVR), Essen, 1929
Verwaltungsgebäude des Siedlungsverbandes Ruhrkohlenbezirk (später KVR, jetzt RVR), Essen, 1929
 
Kohleturm der Zeche Sachsen in Hamm
Kohleturm der Zeche Sachsen in Hamm. Quelle: Moderne Bauformen 29/1930
 
Katholische Kirche in Ickern. Foto: Wilhelm Busch 1993
Katholische Kirche in Ickern
 
Wohnhaus Dr. Hessberg in Essen-Bredeney, 1928
Wohnhaus Dr. Hessberg in Essen-Bredeney, 1928. Quelle: Moderne Bauformen 29/1930
 
Entwurf für den Völkerbundpalast 1928. Quelle: Baukunst 2/1927
Entwurf für den Völkerbundpalast 1928